11.08.2018 / 4. Historische Rallye Burg Altena / Altena

Erst zum vierten Mal wird die Burg-Rallye in Altena veranstaltet, ist aber „schon“ Teil des OWL-Cups und auch des ADAC Classic Revival Pokals. Etwas untypisch für die eher nördlichen Breitengrade ist die Ausrichtung der Veranstaltung: keinerlei Ori-Aufgaben, dafür wird versucht, das eher süddeutsche Lichtschranken-Massaker auch in NRW zu etablieren: Insgesamt ca. 230 KM Strecke an einem Tag mit insgesamt 12 Zeitprüfungen in den beiden Klassen. Tourensportlich belässt man es bei 12 Messungen (also 1 je Prüfung), in der sportlichen Klasse gibt es ingesamt jedoch satte 44 Zeitmessungen, d.h. je Prüfung im Schnitt 3,7 Lichtschranken…. Sowas haben wir mal bei der NAC-Rallye Süd in Nürnberg ausprobiert. Leider hat uns die empfohlene Rallye-App dabei etwas im Stich gelassen und einen „echten“ Schnitt-Computer wollten wir uns bisher auch nicht anschaffen. Also klare Wahl für die tourensportliche Variante in Altena.

Interessant: die Darstellung der Prüfungen mit Sollzeiten und Google-Maps Bildern ist schon ca. 14 Tage vor der Veranstaltung im Internet verfügbar. Auf den Überraschungsmoment wird demnach nicht gesetzt. Dafür gibt man den „Zeitfetischisten“ ausreichend Gelegenheit, zuhause vor der Veranstaltung schon mal mit den Veranstalterzeiten im eigenen Hof oder der Garage zu trainieren.

11.08.2018 4. Historische Rallye Burg Altena
Veranstalter: MSC Altena e.V. im ADAC
Team: Martina Schäfer / Frank Schäfer auf BMW 528i

Die Veranstaltung beginnt (optional) schon am Freitag abend. Eine Stunde lang kann man sich bei den Stadtwerken einschreiben und die Unterlagen im Empfang nehmen. Davon machen schon einige Teilnehmer Gebrauch. Danach ein erstes Highlight: Sektempfang mit Zwiebelkuchen auf der historischen Burg Altena. Sehr beeindruckend. Man konnte sogar mit dem Oldtimer direkt bis in den Burghof fahren, was wir uns allerdings nicht getraut haben. Sehr schöne Stimmung und ein freundlicher Empfang. Vom Balkon des Burg-Restaurants hat man einen Blick über die Stadt und das Lennetal. Vom Charakter der Veranstaltung zeugt das Grußwort zur Nacht „Gute Nacht und viel Erfolg beim Programmieren“…

Am Samstag, dem eigentlichen Rallyetag, geht es sehr früh los, Start erstes Fahrzeug 09.00 Uhr. Zum Frühstück sitzen die ersten Teilnehmer wohl schon gegen 07.00 Uhr in den Stadtwerken (wir nicht). Interessant, dass sich die ca. 65 Teilnehmer fast gleichmäßig auf die beiden Klassen -sportlich / tourensportlich – aufteilen. Keine Überraschungen bei den Aufgabenstellungen, die gab es ja schon vorher. Das Roadbook umfasst alle Etappen, und ist sehr klein in A5 gestaltet. Das kennt man in diesen Breitengraden auch eher weniger. Das Handling ist dadurch ganz gut, aber der Druck auch sehr klein und die Übersichtlichkeit leidet etwas. Zumal wir feststellen mussten, dass es doch viele Fehler im Roadbook gab, insbesondere falsche Distanzangaben. Aber auch fehlerhafte Chinesenzeichen waren dabei. Einiges davon wurde vorab im Roadbook schon manuell korrigiert, ein paar Hinweise gab es auch bei der Fahrerbesprechung. Aber es verblieben auch noch einige Fehler. Allerdings muss man auch sagen, dass wir uns kein einziges Mal verfahren haben. War also nicht soooo dramatisch, bzw. man konnte ein bisschen vor Ort interpolieren. Was man aber auch feststellen muss: nicht so erfahrene Teams können durch solche Fehler massiv verunsichert werden, denn gerade als Neuling geht man durchweg davon aus, dass das Roadbook stimmt und man selber was falsch macht.

Am Start direkt die erste 12 Sekunden-Prüfung und dann ging es mit den Zeitwertungen Schlag auf Schlag weiter. Der legendäre „Wix-Berg“ wartete, der nicht nur gerne im Sommer mal brennt, sondern auch für diverse Heiterkeitsmomente sorgte 🙂 Die hohe Anzahl der ZK und WP-Prüfungen im Laufe des Tages sorgte für Abwechslung, so dass man die „fehlenden“ Ori-Aufgaben ausnahmsweise mal nicht vermisste. Gerade am Vormittag führte die Strecke auch durch das Bergische mit vielen schmalen Tälern und historischen Industrieanlagen. Auch die Wertungsprüfungen waren durchaus besonders gestaltet. So gab es z.B. mehrere WP´s, die durch eine Halle führten, oder ein Slalom oder eine halbe Umrundung eines Baumes, etc.

Außerdem standen die Lichtschranken gerne mal schräg oder weit auseinander oder nicht gerade da, wo man sie vermutete (hinter einer Kurve, etc.). Allerdings – bei einer Veranstaltung, wo es „nur“ Zeitprüfungen gibt, ist das wohl auch zu erwarten. Ein weiterer Höhepunkt neben dem Slalom war die „echte“ Schnittprüfung, wo man konstant 30 km/h fahren musste, mit geheimer Schnittkontrolle.

   

Den Mittagssnack servierte die Freiwillige Feuerwehr und dann erfolgte der Re-Start zur Nachmittags-Etappe. Zu diesem Zeitpunkt hatte man schon 10 von 13 Prüfungen absolviert, war aber erst ca. die Hälfte der Strecke gefahren… den Rest des Tages ging es durch das Hoch-Sauerland bis nach Arnsberg. Viele Ortsnamen erinnerten hier an verschiedene Etappen der Arnsberger Klassik oder legendärer Club-Ausfahrten. Für Insider: Ich sag nur „Hövel“ und „Wettmarsen“.  Es gab auch mindestens zwei sehr lange Berg-Überfahrten, wo man es mal so richtig krachen lassen konnte. Insgesamt zog sich der Nachmittag aber ein bisschen in die Länge, weil es einfach nicht mehr so viele Prüfungen gab. Für die Kaffeepause hatte die Firma SKS ihre Tore buchstäblich geöffnet und die Prüfung vorher führte noch einmal durch eine Werkshalle.

Nach der Ziel-ZK, wiederum bei den Altenaer Stadtwerken, erfolgte noch die Fahrzeugvorstellung auf dem roten Teppich am neu gestalteten Lenne-Kai. Inklusive Roter Rosen und Sektempfang! Danach und für den Rest des Abends ging es in die Burg Botzlar, einer Art Bürgerhaus, in dem der AC Altena aber mal so richtig aufgefahren hatte. Grill und Bierstand, ok, aber auch eine club-eigene Cocktailbar und ein sagenhaftes, selbst erstelltes Buffet. Sowas ist wirklich einzigartig.

Bei bestem Rallye-Wetter konnte man sich so die Zeit bis zu den Aushängen und der Siegerehrung vertreiben… und vertreiben… und vertreiben.

Denn hier kam es einmal mehr zu den von anderen Veranstaltungen schon bekannten Unstimmigkeiten, Nachfragen, Diskussionen und ggf. auch Korrekturen.  Die einzelnen Zeiten hingen zwar früh, aber die Ergebnisliste erst gegen 22 Uhr und die Siegerehrung begann erst um ca. 23 Uhr und verlief auch recht chaotisch.  Zum Teil hatte nicht nur das Publikum den Überblick verloren, wer jetzt gerade in welcher Klasse wofür welchen Sonderpreis bekommt. War durchaus unterhaltsam mit beinahe „Slapstick-Qualität“, aber nüchtern betrachtet war das natürlich ein bisschen schade…  Gerade wenn man einen offiziellen „Zettel“ nutzt, und eine Frage bzw. Bitte zur Klärung einreicht, möchte man doch auch eine Rückmeldung bekommen. Aufgrund der Hektik und Unübersichtlichkeit kann man als Teilnehmer am Abend selber sein Ergebnis kaum wirklich nachvollziehen. Aber ok, am Ende hat es dann u.a dank der Streichregel noch zu einer absolut respektablen Platzierung gereicht. Im Nachgang zur Veranstaltung gingen Unklarheiten, Diskussionen und auch Korrekturen dann weiter. Zum einen war das Streichergebnis in der Auswertung nicht berücksichtigt worden, zum anderen erfolgte die Klasseneinteilung und damit Auswertung nicht vollständig dem Reglement des ADAC OWL-Cup, so dass auch da noch Umrechnungen erfolgen mussten. Das ist doch sehr schade und eigentlich auch unnötig bei einer ansonsten so schönen Veranstaltung!!

Fazit: Schöne und stilvolle Veranstaltung für (reine) Zeitfahrer mit besonderem Rahmenprogramm und Flair, coolen Locations für die Prüfungen und einem insgesamt sehr hohen Unterhaltungswert.  Schwächen im Ablauf und vor allem bei der Auswertung und Veröffentlichung der Ergebnisse sollten eigentlich in den Griff zu kriegen sein, insofern Teilnahme-Empfehlung für die Folgejahre – nicht nur für Club-Präsidenten der Morgan-Fahrer 🙂

Hier ein Bericht aus 2017 von der Ecurie Aix-la-Chapelle e. V.
http://www.ecurie-aachen.de/berichte/188-historische-rallye-burg-altena-12-08-2017

Bilder: Frank Schäfer, Photo Service Digital Dortmund

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