19.05.2018 / 34. Hagen Klassik / Hagen

Auch bei der Hagen Klassik sind wir 2018 zum ersten Mal dabei…. die Veranstalter haben eine sehr informative Internet-Seite, auf der vorab schon viele Informationen zur Rallye veröffentlicht werden. So erfährt man einiges über die Aufgabenstellungen in der touristischen und der sportlichen Klasse.

19.05.2018 34. Hagen Klassik
Veranstalter: HAC Hagener Automobil Club von 1905 im ADAC e.V.
Team: Martina Schäfer / Frank Schäfer auf Volkswagen Golf 1 GTI

Start und Ziel der Hagen Klassik  ist das Gelände der bekannten Fernuniversität. So konnte man direkt morgens beim etwas kargen Frühstück noch einmal Mensa-Luft schnuppern und sich an das eigene Studium erinnert fühlen. Für die Aufgabenstellungen waren insgesamt Veränderungen zum Vorjahr angekündigt. So waren einfachere Orientierungsaufgaben und dafür anspruchsvollere Zeitprüfungen zu erwarten. Bei der ausführlichen Fahrerbesprechung wurde dann aber auch betont, es handele sich um eine Rallye und nicht um eine Ausfahrt. Aha. Das Bordbuch bekam man erst in letzter Minute vor dem Startbogen und es folgte direkt auf dem Uni-Gelände eine erste  Zeitprüfung: eine unbekannte Länge in 6 Sekunden fahren. Auf einer Uhr wurde im Zielbereich die jeweilige Teilnehmer-Zeit angezeigt, die man dann im Roadbook notieren sollte. Ganz klar, diese Zeit war später noch einmal zu fahren. Problem nur: die Uhr hatte einen Defekt und zeigte einzelne Ziffern falsch an. So wurde aus einer 4 bspw. eine 9 usw. Das ging ja gut los, bei einigen Teilnehmern schwoll schon hier der Kamm. Als wir an dieser Prüfung dran waren, war der Fehler aber offenbar wieder behoben.

Dann erst einmal rechts ran und das Roadbook studieren. Tatsächlich: es gab nur Chinesenaufgaben, keinerlei Karten. Und auch keine OK und Baumaffen, nur Stempelkontrollen. Sehr ungewöhnlich. Dafür aber, auch das war durchaus angekündigt, anspruchsvolle GLP- bzw. Sollzeitprüfungen mit einem besonderen „Touch“.  Dieser zeigte sich insb. in der Länge der Aufgaben. Durchweg waren es Kurz-WP mit Sollzeiten von 5, 7, 11 oder auch  nur 1,5 Sekunden. Schonmal 15 Meter in 1,5 Sekunden gefahren? Hier gab es solche Aufgabenstellungen.

Und obwohl im voraus betont wurde, man könnte das alles mit max. 2 Stoppuhren fahren, gab es in WP 3/4 insgsamt 4 zeitrelevante Abschnitte. Wir hatten da 4 Uhren im Einsatz.

Weiterhin gab es zwei Nullzeitprüfungen, hier 30/60 Sek. Prüfung genannt. Ein vorher nicht bekanntes, aber gut beschildertes Ziel musste zur vollen 30sten Sekunde oder zur vollen Minute angefahren werden. Einige Teilnehmer kamen damit nicht gut klar und es gab an diesen Stellen lange Rückstaus. Beobachtet werden konnte auch, dass das Anhalteverbot nach dem gelben Schild missachtet wurde und es dafür trotzdem keine Wertungsstrafen gab. Teilnehmer fuhren also bis kurz vor die Lichtschranke in der Halteverbotszone, warteten dann ab und hüpften durch kurzes Gasgeben zur Sollzeit über die Ziellinie. So etwas finde ich doch sehr unsportlich und es nicht nachvollziehbar, warum solches Verhalten vom Veranstalter nicht geahndet wird, obwohl das Regelment das her gibt.

Die Strecke führte durch die wunderschöne Landschaft des bergischen Landes zur Mittagspause in Wipperfürth. Leider passierte unterwegs fast nichts bis auf ein paar Stempelkontrollen und so musste insbes. die Beifahrerin aufpassen, dass sie nicht wegschnarcht…Einige, gerne auch einfache, Orientierungsprüfungen hätten gut für Abwechslung sorgen können. Die Strecke hätte dies sehr gut hergegeben  mit vielen Ecken und verwinkelten Strassen. Schade.

Pause war im Kultur- und Veranstaltungszentrum „Alte Drahtzieherei“, einem Denkmal der Industriekultur. Sehr schön, dachten wir, diesmal kein Autohaus, sondern Gastronomie! Die Internetseite der Alten Drahtzieherei sieht dahingehend sehr gut aus. Ja, denkste. Wie man aus dem Teilnehmerkreis hörte, wollte der Veranstalter Geld sparen. Daher waren nur die Räumlichkeiten gemietet.  In den Eingangsbereich hatte man dann eine rudimentäre Suppenausgabe platziert, wo mininale Portionen  mit abgezählten und handverlesenen Wurststücken an die Teilnehmer in der langen Schlange verteilt wurden. Der arme Mann dort hatte Humor, bekam aber natürlich trozdem den Unmut der Teilnehmer ab. Wir hatten die Faxen dick und sind dann per GoogleMaps erstmal zum nahegelegenen Rewe und haben uns dort mit Stärkung versorgt …

Nach dem Re-Start galt es, noch weitere 2:15 Std. runterzureissen. Muss man so sagen, denn wie schon in der ersten Etappe passiert nicht viel, mit Ausnahme der Zeitprüfungen. Die ein oder andere kleine Ori-Aufgabe hätte hier sehr gut platziert werden können und hätten die Fahrt viel abwechslungsreicher gestaltet. Das Handling der Bordkarte 3 führte bei uns noch einmal zu Verwirrung… es wurde keine Start- und keine Zielzeit eingetragen, dafür aber eine  Zeit für den Zwischenstopp bei der Vorstellung in der Hagener Innenstadt. Auch wieder kein gutes Gefühl…

Ganz am Ende auf dem Uni-Gelände dann noch eine kombinierte WP. Hier kam mal wieder der alte Trick zum Einsatz: Fahren Sie 0,10 Minuten…. wenn man hier nicht aufpasste in der ganze Hektik oder der schon einsetzenden Entspannung, der fuhr hier 10 Sekunden. Richtig wären natürlich 6 Sekunden Sollzeit gewesen.

Zum Glück hat die Mensa auch eine Sonnen-Terasse und so konnte man dann bei einem Glas Wein (im Nenngeld nicht enthalten) etwas entspannen. Spannend wurde dann noch einmal die Auswertung. Wir waren ca. 17.45 h im Ziel und erst gegen 22.30 h gab es die Siegerehrung. D.h. knapp 4,5 Stunden Wartezeit. Was dazwischen passierte…. Ergebnisse wurden ausgehängt, abgehängt, korrigiert und ganze WP´s gestrichen. Dabei waren die Bordkarten ja total einfach auszuwerten. Bei den Zeitprüfungen hingegen gab es zum Teil unplausible und  nicht nachvollziehbare Ergebnis-Aushänge. Beispiele: bei uns wurde in einer GLP eine Abweichung von ca. 9 Sekunden angezeigt. Tatsächlich waren es aber „nur“ 0,9 Sekunden. Oder im Ausdruck stand „#WERT“ – offenbar ein Excelfehler.. usw.

Die Geduld und die Nerven der Teilnehmer wurden hier doch sehr strapaziert, wobei dies die diversen Verlosungen und Sonderpreise (nur) teilweise ausgleichen konnten. Mit dem 2. Platz in der Klasse 9 sind wir durchaus zufrieden (für den Sieg fehlten 7/100 Sek.), aber auch die endgültige Rangliste wurde vor der Siegerehrung aus  Zeitgründen  nicht mehr ausgehängt.

Fazit: Sponsorenlastige Veranstaltung mit sehr schönen Strecken. Gesamtstrecke aber zu lang(weilig), merkwürdige Mischung aus Oldtimer-Wandern und anspruchsvollen Zeitprüfungen, daher auch für echte Anfänger nur eingeschränkt zu empfehlen. Einige organisatorische Mängel im Ablauf, Wartezeit auf belastbare Ergebnisse unterirdisch lang.

05.05.2018 / ADAC Oldtimer-Rallye „Rund um Oelde“ / Oelde

Erste gemeinsame Fahrt von André Behrensdorf und Frank Schäfer. Immerhin, man kann nicht mit Scheidung drohen 🙂

Die Oldtimer-Rallye „Rund um Oelde“ führt seit nunmehr 15 Jahren eine insgesamt 50jährige Tradition von Motorsport-Veranstaltungen in und um Oelde fort. Bereits 1957 gab es hier erste Orientierungsfahrten, später dann „echte“ Rallyes u.a. auf Bundeswehrgeländen, bis der Rallyesport hier wie anderswo durch den Einfluß ökologischer Lobbyisten zum Erliegen kam. Seit 2004 gibt es nun also die Veranstaltung für Oldtimer, die einen sehr guten Ruf hat. Allerdings hatten wir es bisher noch nicht bis nach Oelde geschafft. Also dieses Jahr Premiere!

05.05.2018 15.  ADAC Oldtimer Rallye „Rund um Oelde“
Veranstalter: Automobil-Club Oelde e.V. im ADAC
Team: André Behrensdorf / Frank Schäfer auf BMW 2002 ti

Ausgeschrieben war eine sportliche und eine touristische Klasse, letztere hatten wir gewählt. Bei einer Streckenlänge von ca. 140 km erwarteten uns auf 2 Etappen diverse Fahrabschnitte mit ZKs, Kartenaufgaben mit durchgezogener roter Linie sowie insgesamt 8 GLPs. In Summe ein guter Mix aus eher leichter Orientierung und Zeitprüfungen.

Start und Ziel war in der sehr schönen Oelder Innenstadt bei bestem Wetter, vielen Zuschauern und auch einigen Hochzeitsgästen, da dort direkt am Start eine Kirche liegt. Unser Start war erst 11.05 Uhr, dann ging es direkt los mit einer 10-Sekundenprüfung am Startbogen. Mit 10.06 Sek. schafften wir auf Anhieb eine Super-Zeit und das war natürlich gut für die Stimmung im Cockpit. Wenn man das erste Mal zusammen fährt, muss sich die Kommunikation immer erst einmal einspielen und Erfolgserlebnisse sind dann gut fürs Gemüt und schaffen Entspannung….

Seite um Seite kamen dann die Kartenaufgaben, Chinesen gab es gar nicht. Wichtig war: Einbahnstrassensystem beachten, Baumaffen und Ortseingangsschilder nur rechts aufschreiben. Dann ein besonderer Trick, den ich so auch noch nie vorgefunden habe: Innerhalb von Ortschaften können auch Baumaffen stehen, diese sind aber nur dann aufzuschreiiben, wenn vorher KEIN Ortseingangsschild rechts stand… Hier musste  man also besonders gut aufpassen.

Die Streckenführung war landschaftlich sehr schön gewählt, insbesondere gefielen die vielen kleinen Strassen .. es gab sogar etwas Industriekultur mit Kraftwerken, alten Zechenanlagen, historischen Schleusen, Fachwerk, etc. – klasse!

In Beckum dann eine Sollzeitprüfung, die man später noch einmal fahren musste. 500 Meter in 1  Minute…  eine klare Sache…. am Ende der Prüfung, zwischen der Ziel-Lichtschranke und der folgenden DK stand allerdings noch (sehr trickreich) ein Ortseingangsschild… Erst bei der zweiten Durchfahrt hatten wir das nicht nur gesehen, sondern auch registriert… 5 Strafpunkte aufs Konto…

Eine weitere Besonderheit stand dann im Gewerbegebiet Olfetal an. Hier haben Architekten oder Landschaftsbauer ein wahres Labyrinth mit insgesamt 12 kleinen und großen Kreisverkehren geschaffen. Quasi ein Paradies für Orientierungs-Fahrtleiter. Dort mussten dann 22 kleinste Pfeile in der richtigen Reihenfolge und ohne Verletzung der Grundregeln durchfahren werden. Es begann das im wahrsten Sinne große Gekreisel. Wenn man hier den Überblick verliert, soviel war klar, dann bestand kaum eine Chance wieder den Einstieg zu finden. Mit insgesamt 4 DK wurden die Strecke im Kreisverkehrgetümmel überwacht und durch die diversen Mehrfachanfahrten sammelten wir hier fleißig Stempel. Am Ende hatten wir aber doch ein ganz gutes Gefühl.

Kurz vor der Zieleinfahrt dann der Höhepunkt der Zeitaufgaben: eine 3-fach WP die in 3 Runden mit unterschiedlichen Soll-Zeiten und auch unterschiedlichen Fahrspuren zu absolvieren war. Auch das war einfach klasse gemacht.

     

Nach der Zieleinfahrt in Oelde gab es dann im Bürgerhaus ein Abendbuffet und freie Getränke nach Wahl. Ja, in der Tat, hier war „all inclusive“. Man muss das erwähnen, denn für 110 EUR Nenngeld gibt es anderswo belegte Brötchen, dünne Suppen und Mineralwasser.

Der Aushang von Zeiten und Musterlösungen ging auch fix. Allerdings gab es hier dann auch wieder sowohl bei den Sportlern als auch den Touristen Ungereimtheiten, Diskussionen und Fehlerkorrekturen. Man muss allerdings positiv vermerken, dass der Veranstalter mit Anfragen oder Hinweisen sehr professionell und freundlich umging. Auch das haben wir ja dieses Jahr schon anders erlebt…

Bei unserer ersten gemeinsamen Fahrt konnten wir am Ende den Pokal für den 1. Platz in der Klasse (sowie den 5. Rang Gesamt touristisch) entgegen nehmen. Top-Abschluss einer Top-Veranstaltung!

Fazit: Der gute Ruf dieser Veranstaltung ist absolut berechtigt. Hier passt einfach alles: sehr schöne Strecke, saubere Unterlagen, guter Mix von Ori- und Zeitprüfungen, angemessenes Niveau, sehr stimmiger Rahmen und alles hoch professionell durchgeführt. Bisher beste Veranstaltung 2018.

Nachtrag: Und an Scheidung hat auch keiner gedacht 🙂

 

29.04.2018 / ADAC Emsland Classic / Lengerich

Dies ist das Lengerich im Emsland,  nicht das Lengerich bei Tecklenburg zwischen Münster und Osnabrück.

Auch bei der Emsland Classic haben wir uns 2015 und 2016 mit eher geringem Erfolg versucht. Die Ausschreibung klang jeweils sehr harmlos, tatsächlich gab es dann hammermäßige Orientierungsaufgaben. Die Durchfahrt von Haselünne 2015 hat quasi schon legendären Charakter (man munkelt, einige verzweifelte Teilnehmer kreisen da heute noch durch!). Dann gab es noch Eiseskälte, keine WCs, eine komplett vergeigte Auswertung… – Bei der Kiepenkerl Klassik 2017 wurden wir allerdings von den netten Herren aus Lengerich überzeugt, dass sich vieles zum Besseren gewandelt hat.

29.04.2018 5. Emsland Classik
Veranstalter: Motorsportfreunde Lengerich im ADAC e.V.
Team: Martina Schäfer / Frank Schäfer auf BMW 528i (E28)

Nun, es hatte sich was getan. Das Wetter war zwar etwas april-mäßig, aber überwiegend recht sonnig und freundlich, in keinem Fall so winterlich wie in den Vorjahren. Dann waren auch Startlokal, Mittagspause und Ziellokal umgezogen, und zwar in das Autohaus Lampa. Wer hier schon Berichte gelesen hat, der weiss, dass unsere Begeisterung für Autohäuser sich stark in Grenzen hält. Hier jedoch wurde daraus das Beste gemacht. Es gab eine gute und sehr freundliche Organisation, alles lief reibungslos und auch die Kulinarik kam nicht zu kurz. Mittags ein absolut passendes Grillbuffet ohne lange Schlangen und abends sehr leckere selbst gebackene Kuchen. Für 70 EUR  Nenngeld total in Ordnung. Lieber ADAC OWL, so kann es auch gehen!!! (das war ein Insider). Bekannter Maßen fahren wir aber nicht mit, um Kuchen zu essen.

        

Jetzt kommen wir zu den Dingen, die sich bei der Emsland Classic nicht verändert haben. Angesichts der Ausschreibung war das Niveau in der Gruppe A total überzogen. Zitat „Die Gruppe A (touristisch) wendet sich an Teams, die eher den Charakter einer Ausfahrt bevorzugen. Die Streckenführung ist durch einfache Orientierungsaufgaben im Roadbook vorgegeben. Auch für Einsteiger ist die Gruppe A eine tolle Herausforderung“. Damit werden echte Neulinge massiv in die Irre geführt. Einfache Orientierungsaufgaben???  Ausfahrt??? Hust.
Das Niveau der Gruppe A war mindestens tourensportlich, wenn ich sogar sportlich. Es gab exzessive Gegenläufigkeiten, Überlappungen und auch eine GLP mit 4 angekündigten, aber nur 2 tatsächlichen Zeitnahmen in kurzen Abständen.

  

Wir selber waren ja von vorherigen Teilnahmen vorgewarnt. Trotzdem haben uns die permanenten Gegenläufigkeiten auf kleinstem Raum sehr zu schaffen gemacht. Auch der Wechsel von kürzeste Verbindung zu kürzeste Gesamtstrecke ist in der Gruppe A zu anspruchsvoll. Dazu kam noch, dass ein gedanklicher Fehler in der Folge gleich mehrfach bestraft wurde. Das kennen wir von anderen Veranstaltung auch anders. Es ist klar, dass jeder Veranstaltern seine persönliche Note einbringen will, aber dann könnte man das auch so schreiben.

Was uns aber echt gestört hat, war, dass es bis zum Ende der Siegerehrung keinen Aushang der Ergebnisse gab. Das ist aus unserer Sicht unüblich. Man hat als Teilnehmer ohne Pokal absolut keine Ahnung, wie man abgeschnitten hat, wenn der Abend zu Ende ist. Und es gibt auch keinerlei Möglichkeit für Rückfragen vor der Siegerehrung. Wo Menschen agieren, passieren auch Fehler, das ist normal und nicht schlimm. So aber gibt es keine Chance auf Fehlerkorrektur. Das kommt ein bisschen komisch rüber…

     

Fazit: Professionelle Veranstaltung mit gutem Preis-/Leistungs-Verhältnis und insgesamt schöner Atmosphäre. Sehr saubere Fahrtunterlagen, aber total verzerrtes Anspruchsniveau .Wer hier mitfährt, sollte auf verschärfte Orientierungsaufgaben vorbereitet sein, für Anfänger eher nicht zu empfehlen. Hohes Frustpotenzial. Aushang von Muster-Bordkarten und Musterlösungen auf Karten vorbildlich, aber kein Aushang der Ergebnisse. Daher keinerlei Chance zu Klärung von Fragen vor der Siegerehrung, was den Gesamt-Eindruck insgesamt leider beeinträchtigt.

21.04.2018 / 78. Int. ADAC Westfalen-Lippe-Fahrt „Klassik“ / Bielefeld

Die WL-Fahrt ist in der 78. Auflage die drittälteste noch durchgeführte Motorsportveranstaltung der Welt. Sie wurde erstmals 1925 gestartet anlässlich des 50. Jubiläums des Hermannsdenkmal.  So sagt es der ADAC Ostwestfalen-Lippe e.V., der hier der Veranstalter ist.  Also eine sehr traditionsreiche Veranstaltung, die zudem noch offiziell von einem ADAC Regionalclub (mit allen damit zur Verfügung stehenden Ressourcen) durchgeführt wird.

Bei unserer ersten und bisher einzigen Teilnahme 2012 waren wir allerdings weniger überzeugt vom Konzept… 6 Jahre und einige Erfahrungen weiter wollten wir es noch einmal wissen.

21.04.2018 78. Int. ADAC Westfalen-Lippe-Fahrt „Klassik“
Veranstalter: ADAC Ostwestfalen-Lippe e.V.
Team: Martina Schäfer / Frank Schäfer auf Volkswagen Golf 1 GTI

Um es vorweg zu nehmen: Ablauf, Eindrücke und (leider auch) Ergebnisse waren doch sehr ähnlich wie 2012. Von einer solchen Veranstaltung erwarte ich einfach mehr, sowohl was den Rahmen angeht, aber insbesondere auch Aufgabenstellung & Auswertung.

Aber der Reihe nach: Die Voraussetzungen waren gut: Top Wetter, strahlender Sonnenschein am Start in Bielefeld-Sennestadt beim Autohaus Schröder-Team. Ja, mal wieder Autohaus. Und die damit verbundenen notorischen Probleme. Klar möchte der Sponsor seine Fahrzeuge zeigen, aber wie es sich auch bei anderen Veranstaltungen gezeigt hat, sind Autohäuser nun mal nicht für die Bewirtung und sanitäre Versorgung von so vielen Menschen auf einmal geeignet. Auch wenn hier und heute ein extra WC-Wagen hinter dem Autohaus platziert war, so empfinde ich doch diese Verhältnisse immer mehr als störend. Gleiches gilt für die Bewirtung bzw. das Ambiente: Top Wetter, strahlend blauer Himmel, klare Luft.. und man sitzt drinnen in einer stickigen Halle. Draussen hätte man nur mal auch ein paar Bänke und Tische aufstellen müssen. War aber offenbar nicht vorgesehen. Um das Thema Autohäuser abzurunden: an diesem Tag waren wir DREI Mal in einem solchen, ähm, VIER Mal: Morgens, Mittags, Kaffeepause und dann wieder Abends. Bei 120 EUR Nenngebühr … wäre vielleicht auch mal ein netter Landgasthof drin gewesen. Anderswo geht das ja auch.

    

Zum „sportlichen Teil“: es gab ein Bordbuch mit „Orientierungaufgaben“ (Karten 1:25.000) sowie insgesamt vier GLP. Davon waren zwei GLP als Mehrfach-GLP angelegt, d.h. Ziel 1 war gleichzeitig Start 2 und Ziel 2 gleichzeitig Start 3, etc.  Dazu kamen zwei Lichtschrankenaufgaben 40 m in 10 sec bei den Stopps bei besagten Autohäusern.

Die Orientierungaufgaben waren vergleichweise „einfach“, es gab ein paar Überlappungen und schwieriger zu findende Stellen, aber sonst fast keine Besonderheiten. Ja fast. Nach der (überlangen) Mittagspause im … Sie raten es… Autohaus gab es doch eine Stelle, die mal wieder für Aufregung sorgte. Bei einem Gewerbegebiet war in den Streckenverlauf (rote Linie) ein deutlicher Haken NEBEN die Strasse eingezeichnet. Danach sollte man links in die Bogenstrasse einbiegen. An dieser Stelle war allgemeine Verunsicherung zu verzeichnen, die Teilnehmer kamen einem aus allen Richtungen entgegen. Normalerweise wäre hier eine Fahrt über einen Parkplatz, eine Ausbuchtung, o.ä. rechts der Strecke zu erwarten gewesen. Konkret vor Ort erwartete einen aber ein Baumaffe „10“ direkt an der Strasse… der allerdings rechts über die Bankette bzw. die Wiese umfahren werden konnte. Dann wäre er links gewesen und somit nicht aufzuschreiben. Nach einigem Hin und Her  haben wir dann diese Variante gewählt und die „10“ nicht aufgeschrieben. Im direkt anschließenden Streckenverlauf kam weitere Verwirrung auf, da eine dort befindliche Strasse ganz offenbar nicht in der Karte verzeichnet war.

   

                     

Nach einer Schleife inkl. Überlappung kam man dann einige Zeit später gegenläufig an diese Stelle zurück und musste die kartenmäßig nicht vorhandene Strasse dann fahren (auch im weiteren Verlauf gab es Strassen, die auf der Karte nicht vorhanden waren)… uns dämmerte, dass wir bei der „10“ etwas zu viel „ums Eck“ gedacht hatten (im Ori-Sport ist sowas durchaus üblich) und somit 5 Punkte auf dem Konto produziert hatten. Aber dafür waren die Zeitprüfungen doch eigentlich ganz gut gelaufen…

Als am Abend die ersten Aushänge kamen, sollte sich auch dieser Eindruck relativieren. Bei den GLP 2, 3 und 4 hatten wir zum Teil sensationell gute Zeiten gefahren, aber bei GLP 1 auch sensationell schlecht. In der Diskussion zeigte sich dann schnell, dass einige Teilnehmer bei der GLP 1 auffallend schlechte Zeiten hatten, die zum Teil sogar grob unplausibel waren.. z.B. 3 Minuten zu langsam. Da hätten die Nachfolger überholen müssen. Hier kam es dann zu den auch von anderswo her bekannten unsäglichen Diskussionen und intransparenten Verhandlungen. Einzelne Teilnehmer erhielten eine Korrektur, aber der Aushang der Zeiten blieb unverändert und eine grundsätzliche Überprüfung oder Neutralisierung der ersten GLP erfolgte nicht. Wenn dann noch Abweichungen mit manuellen Korrekturen der Startnummern auf irgendwelchen Aufschreiben begründet werden… bekommen wir zumindest ein komisches Gefühl.

Das wurde bei den Ergebnissen nicht besser: Wie gehabt, um nach vorne zu kommen, brauchte man null Fehler in der Orientierung. Ging wegen der „10“ und den damit verbundenen 5 Fehlerpunkten schon nicht mehr. Dann kam es auf die Zeiten an… leider war da ja die GLP 1 … (siehe oben)

Fazit: Routinierte Veranstaltung auf z.T. sehr schönen Strecken, die aber hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Es passiert zuwenig auf zuviel Strecke. Zuviel Rumgegurke und definitiv zuviel Aufenthalt in Autohäusern. Ergebnisse hängen sehr von einzelnen Prüfungen bzw. Aufgabenstellungen ab, diese sollten dafür 100% wasserdicht sein. Latenter Eindruck, dass Ergebnisse am Ende gewürfelt werden. Dafür ist der Aufwand (Zeit + Geld) zu hoch.

Bilder: Frank Schäfer, DGS-Photo

 

 

07.04.2018 / Linnenbauer Fahrt / Herford

Am 07.04. beginnt die Saison mit dem ersten Lauf zum ADAC Oldtimer-Cup Westfalen-Lippe sowie zum Classic Revival Pokal des ADAC in Herford bei der Linnenbauer Fahrt.  2017 waren wir mit einem sehr „jungen“ Fahrzeug unterwegs (Volvo 945 Turbo aus 1997), dieses Jahr wird es aufgrund der Cup-Teilnahmen ein echter „Oldie“ sein…

07.04.2018 33. ADAC Linnenbauer Oldtimerfahrt
Veranstalter: HMSC von 1923 e.V.
Team: Martina Schäfer / Frank Schäfer auf Volkswagen Golf 1 GTI

Die Linnenbauer Oldtimerfahrt wird in zwei Gruppen durchgeführt: sportlich und touristisch. Daneben gibt seit einigen Jahren noch die sog. Linnenbauer Klassik, die als „Oldtimerwanderung“ ausgeschrieben ist und sich zunehmenden Interessens erfreut. Dieses Jahr waren insgesamt über 100 Teilnehmer angemeldet, davon ca. 17 in der sportlichen und 34 in der touristischen Gruppe. Diese Bezeichnungen muss man aber mit Vorsicht genießen, denn das Niveau der Aufgabenstellungen ist in Herford deutlich höher als bei vergleichbaren Veranstaltungen. So ist die Gruppe 2 (touristisch ausgeschrieben) eigentlich korrekterweise als „tourensportlich“ zu bezeichnen. Wenn man das weiss, kann man sich aber darauf einstellen, und so waren wir (natürlich) in der Gruppe 2 angetreten. Wie aus der Nennliste erkennbar, trafen dann am Samstag, den 08.04. in Möllbergen bei Porta Westfalica wirklich viele bekannte und erfahrene Oldtimer-Sportler ein. Nach einer kurzen Fahrerbesprechung ging es dann ab 10.01 Uhr im Minutentakt los auf eine ca. 150 km lange Strecke. Das Bordbuch bekamen wir 15 Minuten vor unserer Startzeit. Alles sollte genau gelesen werden….

Die Durchführungsbestimmungen im Fahrerbrief ergaben folgende Aufgabenstellungen:

  • Orientierung durchgängig nach Karte (keine Chinesenzeichen), die Idealstrecke wurde mit Baumaffen sowie den gelben Ortseingangsschildern überwacht. Zudem gab es besetzte Stempelkontrollen.
  • Zeitkontrollen (ZK) mit insgesamt 8 Abschnitten.
  • Sollzeitprüfungen (WP), jeweils mit gelbem und rotem Schild, davon 7 Stück.

Anhand der Bordkarte konnte man schon gut erkennen, dass es die Zeitprüfungen dieses Mal wirklich in sich hatten: es gab jeweils zwei Doppel- und Dreifach-WPs! (so viel zum Thema touristisch…). Schön war auch der Hinweis im Fahrerbrief „Bitte rasen Sie nicht, Sie haben genügend Zeit!“, wahrscheinlich für die Genehmigungsbehörde gedacht, denn Zeit war ein sehr knappes Gut…

Für das Finden der Idealstrecke gab es die Vorgaben: Lösung nach Karte, Einbahnstraßenprinzip je Abschnitt, sowie kürzeste Verbindung über doppellinige Straßen. Soweit, so bekannt. Wie immer sahen die gut lesbaren Karten zunächst einfach aus, führten dann aber vor Ort im Detail zu diversen Herausforderungen und möglichen Fehlern. Zum einen daher, weil viele kleine und kleinste Straßen zu befahren waren (Straßenzustand weitgehend desolat) und der Eindruck nach Karte ein ganz anderer war als in Natur (z.B. T-Stück ist tatsächlich abknickende Vorfahrt rechts). Zum anderen hatte aber Fahrtleiter Magnus Korff wieder einige Schmakazien über die Strecke verteilt: Überlappungen, kleine Ecken um Bäume und Verkehrsinseln, winzige Haken am Ende eines Pfeils, usw. Die Zeit verging so wie im Flug und man musste schon wirklich arg brettern, um die Zeitvorgaben noch einhalten zu können (gelang trotzdem nicht immer und jedem). Eigentlich sehr schade, denn die Streckenführung war landschaftlich einfach wunderschön. Man hatte tolle Ausblicke im Weserbergland, es gab lange einsame Strecken durch Wälder und der ein oder andere Storch wurde am Wegesrand gesichtet. Leider fehlte etwas die Muße, diese Eindrücke wirklich genießen zu können.

Wirklich besonders war dann die WP3  beim neuen „Automobilwerk“ in Kirchlengern. Nach Karte mussten 120 Meter in 2 Minuten und danach direkt 20 Meter in 10 Sekunden gefahren werden. Was man  nicht direkt sehen konnte: die Strecke ging durch die Halle hindurch und die Lichtschranken standen direkt hinter und direkt in einer Kurve. Eine wirklich coole Aufgabenstellung mit vielen Zuschauern, die den ein oder anderen Teilnehmer aufgrund der „Wuseligkeit“ etwas überforderte. Einige Teilnehmer sind glatt an der Einfahrt zu Halle vorbei gefahren, obwohl die Strecke ausgepfeilt war.

Auf dem nachfolgenden Streckenabschnitt gab es eine Überlappung, bei der wir uns etwas verhaspelten und so zu viel wertvolle Zeit verloren. Wieder zurück am Automobilwerk hatten wir somit 4 Strafminuten auf dem Konto stehen. Dann wieder die Zeitprüfung durch die Halle. Wie vorher? Nicht ganz, denn die Steckenskizze war ein ganz klein wenig abgeändert, und dort stand natürlich prompt ein hinterhältiger Baumaffe! Diesen haben  offenbar nur recht wenige Teilnehmer mitgenommen.

       

Auch die beiden 3-fach WP am Nachmittag hatten es in sich. Auf einem Industriegelände mussten Abschnitte von 2:00, 1:30 und 1:00 Minuten hinter einander gefahren werden. Dabei jedoch in Schleifen und sogar mit Teilnehmer-Gegenverkehr. Auch nicht ohne!

Eine Orientierungsaufgabe der Nachmittagsetappe sorgte für einigen Gesprächsstoff, nicht nur im Cockpit, sondern auch später unter den Teilnehmern, sowie mit dem Veranstalter. An einem T-Stück musste zuerst eine mittig stehende Insel mit Baum rechts umfahren werden. An diese Stelle kam man nach einer Schleife wieder zurück. Wir sind dann, wie andere Teilnehmer auch, links an der Insel gem. der Regel „kürzeste Strecke“ vorbei gefahren und haben das hinter dem Baum postierte W somit nur einmal mitgenommen. Etwas später kam man hier noch einmal vorbei, musste eine Gegenläufigkeit erkennen und siehe da… auf einmal stand dann dort ein X am Wegesrand.

Das ist schon großes Ori-Kino, wenn während der Fahrt die Baumaffen wandern…

 

                           

Zieleinfahrt war ab ca. 17.30 Uhr und dann begann das Warten auf die Ergebnisse, aufgelockert durch die intensiven Diskussionen, ob denn das W nun einmal oder zweimal aufgeschrieben werden musste. Die Fahrtleitung argumentierte damit, dass nach Karte gefahren werden musste, und das kleine Dreieck auf der Karte nicht eingezeichnet war. Daher hätte man rechts rum die längere Strecke nehmen müssen. Wir und einige andere Teilnehmer konnten das nicht nachvollziehen, denn die linke Seite des Dreiecks war auch nicht sichtbar in der Karte, daher für uns ganz klar kürzeste Stecke. Am Ende wurde die Aufgabe leider nicht neutralisiert, was den beiden unterschiedlichen Interpretationen wohl gut getan hätte.

Der Aushang der Ergebnisse und die Siegerehrung folgten dann ca. zwischen 21 und 22 Uhr. Trotz „W“ und einigen nicht so optimal verlaufenen Zeitprüfungen konnten wir am Ende Pokale für den 1. Platz in der Klasse 9 entgegen nehmen. Noch „wertvoller“ ist sicherlich der 3. Platz in der Gesamtwertung touristisch.

           

Fazit: Sehr anspruchsvolle und professionelle Veranstaltung, die mit wirklich besonderen Aufgaben-Highlights gewürzt wurde. Landschaftlich einmalig. Verbesserungsmöglichkeiten: den „Touristen“ etwas mehr Zeit geben, das ist auch gut für die Sicherheit und bei den „besonderen“ Aufgaben vielleicht auf wirklich eindeutige Lösungen achten 🙂

 

Hier der Bericht aus 2017:

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