Big EU is watching YOU! EU beschliesst automatisches Tempolimit und weitere Überwachungs-Features.

Vor kurzem haben wir uns noch über das eingebaute Tempolimit lustig gemacht, mit dem Volvo bei klima- und sonstwie-bewussten Zeitgenossen zukünftig punkten will.
Zu früh gelacht. Die EU macht ernst, wie u.a. diesem Bericht entnommen werden kann:

https://de.euronews.com/2019/03/27/eu-initiative-2022-neuwagen-automatisches-tempolimit-eingebaut-verkehr

https://www.welt.de/wirtschaft/article191108975/Automatische-Tempobeschraenkung-EU-bremst-ab-2022-alle-Neuwagen-aus.html

Am Dienstag verabschiedete die Europäische Union eine vorläufige Verordnung. Darin heißt es:

In der EU verkaufte Neuwagen sollen bis 2022 mit einer Technologie ausgestattet werden, die verhindert, dass die Fahrer die Geschwindigkeitsbegrenzungen überschreiten. Mittels GPS und sonstiger Überwachungssysteme wird festgestellt. ob der Fahrer in einer tempolimitierten Zone ist (das wird ja die Regeln sein..). Sein Fahrzeug ist dann über das Überwachungssytem automatisch auf dieses Tempo runtergeregelt.

Weitere Überwachungssysteme werden in der EU ab 2022 Pflicht für Neufahrzeuge
* elektronische Datenschreiber
* Zugriffsperren bei Alkoholisierung
* Warnsysteme bei Schläfrigkeit

Unabhängig, ob Autofahren dann noch Spass macht (Spass ist verdächtig!) stellt sich für die Neufahrzeuge die Frage nach der Praktikabilität: Mal eben den Wagen aus der Einfahrt in die Garage umparken? Erst den Alkotest. Mittels Mundstück? Das dürfte beim Mietfahrzeugen ziemlich ekelig oder aufwändig werden. Schläfrigkeitswarner? Demnächst dann Zwangspausen an Autobahnen wie beim vom internationalen Speditions-Gewerbe. Passt aber zum zukünftigen E-Auto-Zwang, die müssen ja auch alle 200 bis 300 km aufgeladen werden…

Hier dazu eine sehr treffende Kommentierung:

https://www.achgut.com/artikel/der_sonntagsfahrer_dein_auto_als_staats_trojaner

Und was wird aus den Altautos? Den Youngtimer und Oldtimern, die keine Überwachungseinrichtungen an Bord haben???
Zwei Szenarien: entweder diese werden total wertvoll, gerade WEIL sie das nicht haben (Modell Kuba). Oder sie werden ganz einfach irgendwann verboten.
Welches Szenario wohl realistischer ist…..? Fragen Sie die EU, es geht doch nur um unser Bestes …

Untote kehren zurück: Jetzt melden sich auch Spezialisten!

Es steht zu befürchten, dass die Serie mit den „Untoten“ in die Verlängerung geht.

Jetzt melden sich auch Spezialisten für das Jenseitige mit einer Forderung nach dem allgemeinen Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Die evangelische Kirche Mitteldeutschland! Nein, kein Karnevalsscherz.

https://www.tz.de/auto/evangelische-kirche-fordert-tempo-130-deutschen-autobahnen-zr-11307124.html

https://www.welt.de/vermischtes/article189876457/Ziel-50-000-Unterschriften-Evangelische-Kirche-reicht-Petition-fuer-Tempolimit-130-ein.html

EKM fordert Tempo 130

Ob hier der eigene Komptenzbereich nicht ein wenig überschritten wird? Immerhin gab es kein 11. Gebot „du sollst Tempo 130 nicht überschreiten“ und auch, hier relevanter, bei Luthers Thesen waren Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht vorgesehen.

Aber halt, hier lesen wir es: „Die EKM fordert aber nicht aus religiösen Gründen ein Tempolimit von 130 km/h, sondern sorgt sich um die Umwelt und Verkehrssicherheit. Die Kirche sehe darin einen sofort umsetzbaren und kostengünstigen Beitrag, die CO2-Emissionen zu senken und das Klimaziel der Regierung zu erreichen.“

„Weiterer Nebeneffekt: Ein Tempolimit würde Lärm und Reifenabrieb reduzieren.“

Satan! Die EKM sorgt sich um den Reifenabrieb. Das es die Aufgabe der Kirche ist, die Regierung zu unterstützen: hatten wir das nicht schonmal…? Mhm. Lieber nicht vertiefen. Aber das evangelische Kirchentage eigentlich auch Parteitage der Grünen sein könnten, das ist schon aufgefallen.

Wir wünschen eine teuflisch gute Fahrt!

Untote reloaded: Eingebautes Tempolimit – the return of the Wanderdüne?

In der heutigen Presse war die Schlagzeile zu finden „Geschwindigkeitsbegrenzung: Neue Volvos bald nur noch mit eingebautem Tempolimit“.

Quelle zum Beispiel hier: https://www.welt.de/wirtschaft/article189766435/Volvo-begrenzt-ab-2020-Geschwindigkeit-seiner-Pkw-auf-180-km-h.html

oder hier: https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/mobilitaet/volvo-fuehrt-tempolimit-ein/

Das ist ja ein Ding. Ich dachte, jedes Kraftfahrzeug hat ein eingebautes Tempolimit, genannt Höchstgeschwindigkeit. Oder können bisher alle Autos beliebig schnell fahren?

Also mein erster Golf 2 von 1987 hatte ein eingebautes Tempolimit von 151 km/h. Tacho war das dann so ca. 160 km/h und fühlte sich schnell an. Mehr war aus den 1.3 Litern mit 55 PS nicht rauszuholen.

Golf II 1.3 Liter, 55 PS, Bj. 1987

Mein Volvo 940 Turbo von 1997 hat ein eingebautes Tempolimit von 205 km/h (gemäß Zulassung). Schneller als 180 km/h möchte man aber eigentlich nicht damit fahren. Das fühlt sich dann sehr schnell an und das Fahrwerk ist schon ein wenig schwammig.

Volvo 945 2.3 Turbo „Classic“, Bj. 1997

Die Pressemitteilung von Volvo suggeriert: Diese Fahrzeuge könnten technisch gesehen schneller fahren, sie werden aber vorher bei 180 km/h abgeriegelt. Ob das wirklich so ist bzw. sein wird, könnte man nur testen, wenn es dann auch technische Umgehungslösungen geben wird. So wie heute. Deutsche Hersteller haben sich freiwillig auf 250 km/h beschränkt, Freischaltung gegen Aufpreis ist aber natürlich möglich… Allerdings zielt Volvo auf andere Kunden ab und hat sich ja auch schon dem 4-Zylinder-Einheitsmotor verschrieben. Man kann also vermuten, dass dann mehr als 180 km/h auch wirklich nicht mehr geht. Entsprechend kostengünstig(er) könnte Volvo dann auch Fahrwerk, Bremsen, etc. gestalten….

Ist Volvo jetzt besonders innovativ oder besonders retro? Für die Mehrzahl der Volvofahrer dürften 180 km/h ja durchaus ausreichen. So wie früher. Ein 245er Volvo erreichte mit 115 PS auch maximal 177 km/h. Und er ist dazu noch viel kultiger als die heutigen China-Bomber, die als Volvo verkauft werden.

Downsizing war ein Modebegriff der letzten Jahre, den man aktuell weniger liest. Beim eingebauten Tempolimit könnte man damit endlich mal Ernst machen. Warum Motörchen mit 0.9 Litern Hubraum, die aber dennoch 150 PS und 200 km/h Spitze ergeben müssen (und den frühen Turbo-Tod sterben)? Endlich mal konsequent sein.

Der Passat 32 B meiner Eltern hatte 90 PS, fuhr 180 km/Spitze und hatte schon einen tollen Durchzug. Das Gefühl von Verzicht war damit 1982 nicht verbunden.

Passat Variant 1,8 Liter, 90 PS , ca. 1988

Oder der hier, ein Lifestyle-Model der 1970er und frühen 1980er: Ein Mercedes-Benz W123 (250 E) hatte 6-Zylinder, 140 PS und eine Höchstgeschwindigkeit (neudeutsch eingebautes Tempolimit) von …180 km/h.

Mercedes Benz W123

Noch konsequenter: Mercedes-Benz W123 (240 TD): Mit 4 Zylindern, 72 PS und 140 km/h schnell. Das war die E-Klasse! Der Volksmund sprach hier von der „Wanderdüne“.
Entschleunigung? Schon von den 68ern genossen: https://www.adac.de/infotestrat/oldtimer-youngtimer/newsletter/Spitznamen-Wanderduene.aspx

Langsamfahren ist doch kein Problem. Kann jeder freiwillig machen, sofern er damit kein Verkehrshindernis wird. Also bitte rechte Spur benutzen…

Freiwilligkeit ist aber eben genau nicht das Thema von Volvo, den Chinesen im Schwedenpelz:

“ Daneben untersucht Volvo auch, wie künftig eine Kombination aus intelligenter Geschwindigkeitskontrolle und räumlichen Überwachungssystemen wie Geofencing zu einer automatischen Tempobegrenzung im Umfeld von Schulen oder Krankenhäusern führen kann.“

„Wir wollen eine Diskussion darüber starten, ob Automobilhersteller das Recht oder vielleicht sogar die Pflicht haben, Technik in ihren Autos zu installieren, die das Verhalten der Fahrer verändert und Fehlverhalten wie zu schnelles Fahren, Drogenkonsum oder Ablenkungen verhindert“, sagte Volvo-Chef Håkan Samuelsson. „Wir haben noch keine endgültige Antwort auf diese Frage, glauben aber, dass wir selbst in dieser Diskussion eine Führungsrolle einnehmen und sogar Pionier sein sollten.“

Dein Auto ändert Dein Verhalten? Im Sinne des Guten? Moralische Überlegenheit kombiniert mit staatlicher Überwachung. The worst of both worlds sozusagen: Schwedisches Gutmenschentum (Volvos wurde damals ja schon gerne von Lehrern gefahren) und chinesischer Überwachungskompetenz (Einführung eines Social Credit Systems, vgl. zum Beispiel hier https://www.welt.de/politik/ausland/article174746362/Ueberwachungsstaat-China-Sozial-unangepasst-Das-wird-Folgen-haben.html )

Schöne neue Welt… Neue KfZ sind heute schon Datenkraken. Morgen kontrollieren Sie noch Dein Sozialverhalten und ob Du auch wirklich mit Deiner Frau an den Baggersee gefahren bist.. (Kombi halt).

Nicht nur deshalb. Nie waren Oldtimer- und Youngtimer so wertvoll wie heute (und morgen). Es lohnt sich, für ihren Erhalt zu kämpfen!


Untote kehren zurück: Diskussion über H-Kennzeichen

Die Diskussion über „Dieselskandal“, Fahrverbote, Feinstaub und die globale „Klimarettung“ von Deutschland aus hat zum Jahreswechsel 2018/19 auch die Oldtimer-Szene erreicht.

Ein sehr engagierter, auch sachlich fundierter Beitrag erschien dazu im Heft 01/2019 von „Oldtimer Markt“. Auf sieben Seiten wurde dargestellt wie „die DUH einer Nation Sand ins Getriebe wirft“.

Damit hat sich Oldtimer Markt als echte Fachzeitschrift mit Herz für die Szene bestätigt. Im Heft 02/2019 wurden dazu viele viele Leserbriefe veröffentlicht.

Etwas anders war der Tonfall in den Publikationen der Motor Presse Stuttgart.

Im Heft 01/2019 der Zeitschrift „Youngtimer“ lautete die etwas doppeldeutige Überschrift auf Seite 6 „Der verdammte Diesel“ und das Fazit war sogar positiv: „Alltags-Youngtimer werden somit weniger, Sammlerstücke, die es sich lohnt aufzuheben, dagegen mehr“.

Ein sehr merkwürdiges Fazit für eine Publikation, die sich eigentlich genau dem Alltags-Youngtimer verschrieben hat und auch für die berühmt-berüchtigten Berichte über „Autos vom Schrott“ bekannt ist.

Zudem ist es etwas gewagt, einem Fahrverbot für Dieselfahrzeuge eine Art positive Selektionswirkung zuzusprechen…

Höhepunkt war aber ein Beitrag in „Motor Klassik“, Heft 2/2019. Dort wurde einem Herrn Körper, Präsident der Landesgruppe des ASC in Württemberg-Hohenzollern Platz und Öffentlichkeitswirksamkeit eingräumt für einen Gastbeitrag oder Denkanstoss, in dem er mal eben 10 Jahre Pause für das H-Kennzeichen eingefordert hat. Im Editorial wurde dazu geschrieben „einige Verbände denken nun über freiwillige Selbstbeschränkungen nach“ – Wer die andere Verbände sein sollen, neben dem Herrn Körper, wurde aber nicht benannt. Hieraus erwuchs ein enormes Medienecho, Welt und Spiegel online berichteten ausführlich und die DUH sekundierte, dass man diese alten Karren natürlich nicht mehr im Strassenverkehr sehen will. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde…

Ein Denkanstoss? Der Begriff „Opferbereitschaft“ kann zu leichtem Grusel verleiten…

Der „Denkanstoss“ in der Motor-Klassik hat enorme Nachwirkungen gehabt. Nicht nur hat sich der ASC inzwischen offiziell von der „Privatmeinung“ des Herrn Körper distanziert. Auch die Tonlage der o.g. Publikationen hat sich (aufgrund des Leserechos?) geändert. Youngtimer schreibt „der Diesel ist doch ein Guter“ und Motor Klassik schreibt „Einigkeit macht stark“ (Editorial 03/2019).

Allerdings glaubt man dort immer noch daran, dass weiterhin keine Einschränkungen für das H-Kennzeichen geplant sind… Die Leserbriefe im selben Heft sprechen da eine deutlichere Sprache….